Zuverlässig im Dienst der Umwelt

Für Thomas Bittner und sein Team sind es geradezu paradiesische Arbeitsbedingungen auf der Kläranlage Grimma. “Im Vergleich zu früher auf jeden Fall”, erklärt der Abwassermeister und Gruppenleiter bei der Veolia Wasser Deutschland GmbH in Grimma. Denn in den vergangenen 20 Jahren hat sich einiges getan - vor allem im Hinblick auf die Gewässergüte. 

Das alte Klärwerk am Oberwerder zählte seinerzeit zu den ältesten Technikbauwerken der Region. Aber die Anlage entsprach nicht mehr den Anforderungen, sodass sich die Stadt und der VVGG entschlossen, eine neue Kläranlage zu errichten. Bauherrin und Eigentümerin ist die Kommunale Wasserwerke Grimma-Geithain GmbH (KWW). Die KWW ist die Kooperationsgesellschaft, in der VVGG und Veolia als Betriebsführer zusammenarbeiten.  

Der VVGG verfügte nach 1990 über keine einzige Anlage, die dem Stand der Technik entsprach. “Es gab einen enormen Investitionsstau”, erinnert dessen Geschäftsführer, Lutz Kunath. Aus diesem Grund habe sich auch die Stadt und nicht der Verband um die ersten Planungen für die Kläranlage Grimma gekümmert. Im Schnitt kommen hier jeden Tag circa 3,7 Millionen Liter Abwasser an. Vor allem aus Grimma und dem Umland. Orte wie Hohnstädt, Beiersdorf oder Waldbardau wurden später ebenfalls erschlossen und die dort anfallende Abwässer nach Grimma übergeleitet. 

Die Kläranlage Grimma verfügt über eine Kapazität von 25 000 Einwohnerwerten. Dabei handelt es sich um eine Berechnungsgröße, um die Einleitung von häuslichem und gewerblichem Abwasser zusammenzufassen. Thomas Bittner glaubt, dass es deutschlandweit keine zweite Kläranlage mit dieser Ausbaugröße gibt, die derart kompakt gebaut ist und auf so wenig Fläche steht. Er bräuchte von seinem Schreibtisch bis zum Rechen gerade mal zehn Sekunden, sagt er. 

Als die neue Kläranlage gebaut wurde, hatte Thomas Bittner gerade seine Ausbildung absolviert - im Trinkwasserbereich. Auf die Kläranlage wechselte er Ende 2000. Der offizielle Probebetrieb begann am 13. September nach nur acht Monaten Bauzeit. Eingeweiht wurde sie im Oktober. “Das war eine meiner ersten Amtshandlungen als Geschäftsführer des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain”, erinnert sich Lutz Kunath. 

“Am 8. August 2000, um 10.15 Uhr”, hat Thomas Bittner in alten Unterlagen gefunden, “ist bereits das erste Abwasser auf der Kläranlage angekommen. Das war eine riesige Errungenschaft für die Abwasserentsorgung in Grimma und die umliegenden Ortschaften.” Und vor allem für die Gewässer, die zuvor arg gelitten hatten. Der 25. Oktober, der unter anderem als Tag der Flüsse in diversen Kalendern steht, sei eine gute Gelegenheit, sich dessen bewusst zu werden. “Das Abwasser, das die Kläranlage verlässt, kann bedenkenlos wieder dem Wasserkreislauf zugeführt werden”, betont Thomas Bittner, dessen Veolia-Team die Prozesse der Abwasserreinigung permanent überwacht. 

In vier Belebungsbecken wird das Abwasser gereinigt. Das übernehmen Bakterien. Durch Zufuhr von Luft werden sie animiert, aktiv zu werden und die organischen Abwasserbestandteile abzubauen. Aber wie gut machen sie das?  

Um die Reinigungsleistung von Kläranlagen zu beschreiben, gibt es verschiedene Faktoren. “Einer der wichtigsten ist der chemische Sauerstoffbedarf, kurz CSB. Dieser Wert sagt etwas über die Nährstoffbelastung des Abwassers aus”, erläutert Thomas Bittner. “Würde das Abwasser ungereinigt in die Gewässer gelangen, gäbe es dort über kurz oder lang keinen Sauerstoff mehr und damit kein Leben.” Auf der Kläranlage Grimma wird die CSB-Fracht zu 95 Prozent abgebaut. 95 Prozent von fast zwei Tonnen jährlich. Jeder Einzelne produziert pro Tag im Durchschnitt 120 Gramm CSB. 

Auch Stickstoff und Phosphat, das zur Eutrophierung von Gewässern führen würde, werden beim Reinigungsprozess auf der Kläranlage herausgefiltert. “Entscheidend ist, dass wir die Grenzwerte aus der wasserrechtlichen Erlaubnis und damit die behördlichen Auflagen jederzeit einhalten”, ergänzt Lutz Kunath.

Die Kunden des VVGG profitieren seit über 20 Jahren von einer Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik. “Das ist für viele Menschen selbstverständlich”, weiß Lutz Kunath, “aber um die heutige Qualität der Abwasserreinigung jederzeit - unabhängig von Jahreszeiten oder Niederschlagsaufkommen - gewährleisten zu können, muss an verschiedenen Stellschrauben immer wieder etwas getan werden.” Dem technischen Fortschritt entsprechend, betont er. Eine Herausforderung, die dauerhaft bestehen bleiben dürfte. 

Übrigens, vor 20 Jahren wurden auch die Kläranlagen in Bad Lausick und Geithain in Betrieb genommen. Heute verfügt der VVGG im gesamten Verbandsgebiet über 32 Kläranlagen verschiedener Größen, die alle dem Stand der Technik entsprechen und damit die Gewässer bestmöglich schonen können.  

Mitarbeiter Sebastian Pfaff bei einer Probenahme