Schule sucht Praxisbezug

Die Oberschule Grimma hat am Montag, dem 12. November 2018, einige ihrer Lehrerinnen und Lehrer auf die Kläranlage nach Grimma geschickt, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Was tut man hier? Welche  Anforderungen beinhalt die umweltgerechte Reinigung der Abwässer? Und welche Fähigkeiten und Fertigkeiten benötigen angehende Fachkräfte, die womöglich aus der Oberschule kommen?

Dieser Besuch ist der sichtbare Start, in Zukunft bei der Berufswahlentscheidung der Schüler intensiv zusammenzuarbeiten. Erste Gespräche dazu führten Schulleiter Steffen Kretschmar und Kerstin Härtel,  Niederlassungsleiterin der OEWA Wasser und Abwasser GmbH in Grimma, bereits. Die OEWA kümmert sich im Namen und Auftrag des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain um den Betrieb der Kläranlage.

„Wir verfolgen mit dieser Zusammenarbeit ureigenste Interessen: Wir wollen Nachwuchskräfte gewinnen. Das ist besonders im Abwasserbereich nicht einfach, weil der Beruf auf den ersten Blick unattraktiv erscheint“, sagt Thomas Bittner, Gruppenleiter Kläranlagen bei der OEWA. Er war vor Jahren Sachsens jüngster Abwassermeister und liebt seinen Beruf. „Gleichzeitig unterstützen wird die Schule, indem wir Angebote für einen praxisnahen Unterricht unterbreiten. Die Schüler“, verdeutlicht Kerstin Härtel, „haben damit die Möglichkeiten, verschiedene Berufe wirklich kennenzulernen.“

Als Schule, die das Qualitätssiegel Berufs- und Studienwahlorientierung führt, sei man interessiert daran, dieses Prädikat auch mit Leben zu füllen, informiert Schulleiter Steffen Kretschmar. Man habe bereits einige Kooperationen mit Betrieben initiiert, nun käme die OEWA Wasser und Abwasser GmbH hinzu. „Es ist wichtig, dass es uns gelingt, junge Menschen in der Region zu halten. Wir wollen ihnen zeigen, welche Berufe hiesige Unternehmen anbieten, ihnen diese Berufe schmackhaft machen und legen dabei viel Wert auf den Praxisbezug.“

Um Oberschüler aus Grimma vom Potenzial des Abwassermetiers zu überzeugen, sollen die aktuellen Azubis der OEWA über ihre Erfahrungen sprechen. Diejenigen also, die gerade auf dem Weg sind, Fachkraft für Abwassertechnik zu werden. Thomas Bittner: „Wir wollen mit unseren Azubis und auch mit unseren Jungfacharbeitern bei den Schulabgängern nachhaltig für den Beruf und eine Ausbildung bei uns werben. Das soll vorzugsweise über Betriebspraktika erfolgen. Man muss unsere Arbeit live kennenlernen; die Theorie reicht da nicht aus. Deshalb freuen wir uns über jeden, der sich für ein Praktikum interessiert.“

In vielen Fällen war ein solches Praktikum in der Vergangenheit der entscheidende Schritt, sich für eine Ausbildung im Abwasserbereich, aber auch in der Trinkwasserversorgung, zu entscheiden. Leider würde nicht nur die Anzahl, sondern auch Qualität der Bewerber abnehmen. „Nach 18 Jahren Berufsausbildung“, betont Thomas Bittner, „haben wir im Sommer das erste Mal für die Kläranlage in Grimma keinen Azubi gefunden.“ Umso wichtiger sei es, betont Niederlassungsleiterin Kerstin Härtel, die Berufswahlkompetenz bei den Schülern zu stärken – gemeinsam mit der Oberschule Grimma.

OEWA-Mitarbeiter Thomas Bittner weiß, dass die Arbeit als Fachkraft für Abwassertechnik oftmals unterschätzt wird, „meistens aus Unwissenheit“, erklärt er. „Das stinkt“ und „Damit will ich nicht in Berührung kommen“ sind die häufigsten Vorurteile. Die will man nun gemeinsam versuchen abzubauen. Ein nächster Gesprächstermin zu den praktischen Rahmenbedingungen dieser Kooperation zwischen Wasserdienstleister und Schule ist bereits geplant.

(Fotos: Frank Schmidt)