Grundstein für intakte Umwelt

Etwa 74 Millionen Kubikmeter Abwasser sind in den vergangenen 20 Jahren auf der  Kläranlage Schönebeck behandelt worden. Nicht weniger als 1 400 Tonnen Rechengut und 900 Tonnen Sand wurden aus dem Abwasserstrom gefiltert. Unvorstellbare Mengen, die früher in der Elbe gelandet wären. 

Dass der Fluss heute eine weitaus bessere Qualität hat, ist nicht zuletzt der umweltgerechten Abwasserbehandlung zu verdanken. Der letzte Sonntag im September oder auch der 25. Oktober werden - je nach Kalender - als Tag der Flüsse geführt. “Es ist gut, dass Abwasserbehandlung bei uns heute mehr oder weniger als selbstverständlich angesehen wird”, betont Mike Dragon, “trotzdem kann jeder Einzelne jeden Tag seinen Teil beitragen, dass es den Gewässern gut geht.” Und das fängt schon damit an, was in der Toilette entsorgt wird und dort nicht hinein gehört: von fettigen Soßen über Essensreste bis hin zu Farben, Lacken, Arzneimitteln. 

Der Gruppenleiter bei der Veolia Wasser Deutschland GmbH, dem Abwasserdienstleister der Stadt Schönebeck (Elbe), war damals schon auf der Kläranlage, als diese gerade gebaut wurde. Als gelernter Facharbeiter für Elektronik interessierte er sich besonders für die elektrotechnische Ausstattung dieser hochmodernen Anlage, die seit März 2000 mehrere Monate zunächst im Probebetrieb lief und im Herbst dann endgültig in Betrieb ging. 

Seither ist eine Menge passiert. Zulauf, Sandfang, Rechen, Vorklärung wurden erneuert, in Mess- und Maschinentechnik investiert. Auch auf Energieeffizienz wird nicht zuletzt bei Erneuerungsmaßnahmen Wert gelegt. “Aber das wichtigste ist, dass es den Bakterien gut geht und die Biologie in den Belebungsbecken funktioniert”, sagt Abwassermeister Mike Dragon. Das sei der Kern der Abwasserbehandlung - und der Grundstein für eine intakte Umwelt.   

Um die Reinigungsleistung von Kläranlagen zu beschreiben, gibt es verschiedene Faktoren. “Einer der wichtigsten ist der chemische Sauerstoffbedarf, kurz CSB. Dieser Wert sagt etwas über die Nährstoffbelastung des Abwassers aus”, erläutert Mike Dragon. Würde das Abwasser ungereinigt in die Gewässer gelangen, gäbe es dort über kurz oder lang keinen Sauerstoff mehr und damit kein Leben. Auf der Kläranlage Schönebeck wird die CSB-Fracht zu 95 Prozent abgebaut. 95 Prozent von circa 2350 Tonnen jährlich. Jeder Einzelne produziert übrigens pro Tag im Durchschnitt 120 Gramm CSB. 

Auch Stickstoff und Phosphat, das zur Eutrophierung von Gewässern führen würde, werden beim Reinigungsprozess auf der Kläranlage herausgefiltert. Stickstoff sogar zu 100 Prozent. “Am Ende werden wir daran gemessen, dass alle Grenzwerte und damit die behördlichen Anforderungen eingehalten werden”, weiß Marco Feldheim, der zuständige Leiter Betrieb bei Veolia in Schönebeck.  

Die Umwelt dankt es. Schönebeck sei eine Stadt, die durch die Elbe geprägt wurde und wird. “Nicht umsonst heißt unsere Stadt Schönebeck (Elbe)”, sagt Jörg Naumann von der Stabsstelle Trinkwasser/Abwasser. Dieser Fluss sei jahrhundertelang eine Lebensader gewesen, auf deren Grundlage sich die Stadt entwickeln konnte. “Leider wurde die Elbe im vergangenen  Jahrhundert zunehmend genutzt, Abfälle und Abwässer zu entsorgen, was sich am Zustand dieses Gewässers ablesen ließ. Zum Glück gehört diese Benutzung - oder besser gesagt diese Vernutzung der Elbe - der Vergangenheit an.”

“Letztendlich”, so Jörg Naumann weiter, “ist auch die engagierte Arbeit auf der Kläranlage und die entsprechende technologische Ausstattung dafür verantwortlich, dass wir die Elbe heute wieder in der Form erleben dürfen wie Generationen vor uns - als Natur- und Lebensraum.”  

Mike Dragon, Gruppenleiter Veolia Wasser Deutschland GmbH, in der Leitwarte der Kläranlage.