"Glückliche Umstände"

Nach 45 Jahren in der Wasserwirtschaft kann Roland Hammer heute noch immer von sich sagen, zufrieden mit dem zu sein, was er tut. Er spricht von “glücklichen Umständen” und meint vor allem die Freude an der Arbeit. Die hat er sich bewahrt - vom ersten Tag an. Sein Betriebsjubiläum ist coronabedingt zwar so ziemlich ins Wasser gefallen, aber nicht vergessen. 

Roland Hammer (61), Gruppenleiter bei der Veolia Wasser Deutschland GmbH in Oschatz, erinnert sich noch sehr gut an die Anfänge als Instandhaltungsmechaniker. Das erste Jahr der Ausbildung verbringt er fast ausschließlich an der Werkbank und lernt, mit der Feile umzugehen. Doch die Arbeit hat einen angenehmen Nebeneffekt: Die Ausbildung erfolgt in der Wurzener Keksfabrik - und damit hatten die jungen Leute stets süßes Naschwerk in greifbarer Nähe. 

“Ich wusste damals einfach nicht, was ich werden wollte”, blickt er zurück. Mitte der zehnten Klasse sei dann ein Lehrer zu ihm und einem ebenso unschlüssigen Mitschüler gekommen und riet den Jungs dazu, doch mal in der Wasserwirtschaft zu fragen. 

Als Roland Hammer hier nach der Lehre anfängt zu arbeiten, sind die Meisterbereiche Wasserwerk und Rohrnetz noch strikt getrennt. Er wird den Kollegen im Wasserwerk zugeordnet. “Damals mussten wir die Filter im Wasserwerk Oschatz noch von Hand spülen  und zwar in der Nachtschicht. Unsere Hauptaufgabe bestand immer darin, die Technik zu reparieren und instandzuhalten, damit es weitergeht und die Menschen Wasser hatten.” Rohrbrüche sind mehr oder weniger an der Tagesordnung. Doch davon habe er gar nicht so viel mitbekommen - “ich gehörte ja zu den Wasserwerkern”. 

1988 bis 1990 macht Roland Hammer seinen Wassermeister. Wenig später übernimmt er bei der neu gegründeten OEWA Wasser und Abwasser GmbH eine kleine Gruppe von acht Leuten. “Von da an gab es keine getrennten Meisterbereiche mehr. Wir haben alles gemacht und waren in der Verantwortung für den gesamten Wasserkreislauf: vom  Brunnen bis zum Hauswasserzähler.” In Malkwitz entsteht seinerzeit der neue Wasser-Stützpunkt. Der Jubilar, der sich zwischenzeitlich zum Technischen Betriebswirt weiterbildet, und seine Kollegen sind für den nördlichen Teil des Altkreises Oschatz zuständig. 

Bis ihn 1999 sein damaliger Chef kurz vor Weihnachten fragt, ob er in Sachsen-Anhalt bei einem neuen Projekt helfen könnte. Dort steigt die OEWA als strategischer Partner der MIDEWA Wasserversorgungsgesellschaft in Mitteldeutschland mbH ein - und Roland Hammer wird dort gebraucht. “Dann bin ich am 2. Januar 2000 nach Merseburg gefahren”, weiß er noch. Er bleibt anderthalb Jahre und geht dann nach Grimma, wo er kurzzeitig als Mitarbeiter der Investitionsabteilung Bauvorhaben betreut. Bis 2006 arbeitet er schließlich in Döbeln als Bereichsleiter Trinkwasser, geht dann aber wieder zurück nach Oschatz, wo seine Gruppe unterdessen auf 20 Leute angewachsen ist - mit der Verantwortung für die Wasserversorgung im gesamten Altkreis Oschatz.

“Es ist vor allem nach der Wende extrem viel passiert. Wir haben überall gebaut, Wohn- und Gewerbegebiete wurden erschlossen, Leitungen erneuert - und nicht nur das: Wir haben die Wasserwerke, Speicheranlagen und Trinkwasserleitungen dem Bedarf angepasst, um die Trinkwasserversorgung zukunftsfähig zu gestalten.” Die weitreichende Entscheidungsfreiheit und die Chance, die Ausrichtung der Wasserversorgung in Oschatz und Umgebung mitbestimmen zu können, hätten ihn immer besonders motiviert, erzählt er.  

Aus der OEWA ist zwar vor Jahren die Veolia Wasser Deutschland GmbH geworden, doch das habe für die Arbeit an der Basis, wie er sagt, nichts verändert. Als Dienstleister sei man für die Kunden des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz im Einsatz. “Unser Fokus ist klar definiert: Das Wasser aus dem Hahn muss in der Qualität stimmen - und es muss immer ausreichend zur Verfügung stehen. Das erwarten die Verbraucher von uns.” Eine ziemliche Verantwortung für Roland Hammer und das Veolia-Team in Oschatz. Aber: “Solange die Arbeit Spaß macht…” 

Roland Hammer im Einsatz in Oschatz, wo kürzlich ein neues Schieberkreuz eingebaut wurde