Der zufriedene Blick zurück

Den vermutlich wichtigsten Satz des Tages hat Harald Fuchs mit der ihm eigenen Gelassenheit fast beiläufig angebracht:  „Wenn man mich braucht und mein Wissen gefragt ist, bin ich da.“

Nach ein paar Tagen Urlaub beginnt für den Gruppenleiter der Veolia Wasser Deutschland GmbH am 1. März nun die Passivphase der Altersteilzeit. Dann tritt der 63-Jährige entschieden ruhiger, doch mit Elan will er seinen Ruhestand dennoch bestreiten: Die Familie, die beiden Enkelkinder, Haus und Hof und Tiere würden sicher eine Menge Zeit beanspruchen, ist er überzeugt.

Harald Fuchs hat sein gesamtes Arbeitsleben der Abwasserbranche gewidmet. Im September 1976 fing er als gelernter Elektroinstallateur beim VEB Wasser- und Abwasserbehandlung an. 1984 schloss er ein Studium an und wurde Abwassermeister. Als sein Vorgänger in Rente ging, übernahm er als Leiter den gesamten Bereich der Abwasserentsorgung in Schönebeck – mit Zuständigkeit auch für Calbe und Barby.

„Die Arbeit“, erzählt Harald Fuchs, „war zu DDR-Zeiten vor allem körperlich deutlich schwerer als heute. Und wir mussten die Anlagen noch mehr als heute hegen und pflegen; es gab ja nichts. Sämtliche Schrauben haben wir aufgearbeitet, um sie wiederverwenden zu können.“ Drei, vier, fünf Leben hätte man mit dieser guten Pflege so manchem Einzelteil eingehaucht, erinnert sich der Gruppenleiter bei der Veolia Wasser Deutschland GmbH, dem Abwasserdienstleiter der Stadt Schönebeck (Elbe).

Heute hingegen sei die Arbeit in der Abwasserbranche sehr viel umfangreicher geworden. Die Anforderungen an die Qualität der Abwasserreinigung seien enorm gestiegen.  Während das Abwasser früher ausschließlich mechanisch über Absetzvorgänge behandelt wurde, gleiche die Kläranlage in der Magdeburger Straße 259 heute einer Hightech-Fabrik. Es stecke viel mehr Technik dahinter. Aber die Umwelt dankt es.

Der technische Fortschritt, weiß Harald Fuchs, habe auch vor der Abwasserbranche nicht Halt gemacht. „Obwohl heute sehr viele Abläufe automatisiert vonstatten gehen, brauchen wir gut ausgebildete Mitarbeiter, die ihr Handwerk verstehen.“ Er ist stolz auf seine Leute, die täglich dafür sorgen, dass das Abwasser umweltgerecht behandelt wird und damit wieder dem Wasserkreislauf zugeführt werden kann.

Jungen Menschen rät er, neugierig zu sein und dem Berufsbild Abwassertechnik eine Chance zu geben. Wichtig sei das Verständnis für naturwissenschaftliche Abläufe – oder zumindest Interesse daran. Harald Fuchs, von dem seine Vorgesetzten sagen, er sei ein Urgestein der Abwasserentsorgung in Schönebeck, hat seinen Beruf mit all den Veränderungen, die die Zeit mit sich brachte, stets als Herausforderung betrachtet. Jeden Tag aufs Neue. Er geht mit einem zufriedenen Blick zurück in den Ruhestand.  

Jubilar Harald Fuchs und Marco Feldheim bei einer Baustellen Begehung (v.l.n.r.)